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Corona-App - Kommt die grenzüberschreitende Lösung?

Das Robert-Koch-Institut hat zusammen mit den Entwicklern SAP und der deutschen Telekom Anfang dieser Woche die viel diskutierte Corona-Tracing App (Corona-Warn-App) zur Verfügung gestellt.

Mithilfe dieser App können die Nutzer schnell und anonym informiert werden, wenn sie sich in der Nähe eines Infizierten aufgehalten haben. Dies setzt voraus, dass nachweislich infizierte Personen ihre Erkrankung freiwillig in der App angeben. Umso mehr Menschen diese App verwenden, desto schneller können zukünftig Infektionsketten nachvollzogen und durchbrochen werden. „Die App ist kein Allheilmittel, aber ein wichtiges Instrument, um das Virus einzudämmen. Das geht am besten, wenn viele mitmachen. Das Virus können wir nur im Teamspiel bekämpfen", so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Eine wichtige Lücke in Bezug auf die Nutzung und Effektivität dieser App gibt es jedoch noch – sie funktioniert (noch) nicht grenzüberschreitend. Christoph Almering, Geschäftsführer der EUREGIO, stellt fest: „Gerade für die unzähligen Grenzpendler ist eine solche Funktion unabdingbar. Bisher ist es so, dass Grenzpendler oder Touristen die Apps der jeweiligen Länder auf ihrem Smartphone installiert haben müssen, damit ein Tracing möglich ist. Diese Apps arbeiten aber noch nicht miteinander, sondern parallel. In dem Punkt gibt es noch Handlungsbedarf, und wir erwarten, dass man hier schnellstmöglich Lösungen anbietet.“

Nach Wunsch der EU-Kommission, die bereits Anfang April ein entsprechendes Konzept veröffentlichte, sollen diese verschiedenen Smartphone-Apps grenzüberschreitend funktionieren. Damit Bürger auch beim Überschreiten von Landesgrenzen geschützt seien. Gleichzeitig müssten diese Apps aber auch mit den EU-Vorschriften zum Datenschutz und dem Schutz der Privatsphäre einhergehen. „Wir sollten zwar innovativ sein und die Technik bestmöglich nutzen, um die Pandemie zu bekämpfen, aber wir werden unsere Werte und Anforderungen an den Schutz der Privatsphäre nicht aufs Spiel setzen“, sagte der französische Digital-Kommissar Thierry Breton. Nun strebt die EU-Kommission an, technische Voraussetzungen für die Interoperabilität der dezentral funktionieren Apps zu schaffen, um ihre Nutzung grenzüberschreitend zu ermöglichen. Dazu erklärte Thierry Breton: „Gerade in der näher rückenden Reisesaison muss sichergestellt werden, dass Europäer die App ihres eigenen Landes überall in der EU einsetzen können.“

Dass aus dem Wunsch der Kommission bis heute noch keine Wirklichkeit wurde, liegt an den unterschiedlichen Ansätzen der Kontaktspeicherung der jeweiligen Länder. In Deutschland werden die Daten dezentral (auf dem eigenen Smartphone) gespeichert. Die französische App hingegen gleicht die Daten auf einem zentralen Server ab. So unterscheidet sich die Umsetzung von Land zu Land. Um die Interoperabilität zu erreichen, hat die EU-Kommission mit den Mitgliedsstaaten technische Spezifikationen entwickelt und wird eine gemeinsame Infrastruktur aufbauen. Außerdem will die Behörde mit einem Gateway eine Verbindung zwischen den unterschiedlichen Systemen schaffen und damit den Austausch der Daten ermöglichen. Dieser Ansatz wird in den meisten Ländern funktionieren, da die Mehrheit auf eine dezentrale Herangehensweise baut. Die Programme nutzen, genauso wie die Corona-Warn-App, die Schnittstelle von Apple und Google für die Kontaktverfolgung. Nach Einschätzung der Bundesregierung dürfte die Angleichung einige Wochen dauern. Auf die Frage, wann die unterschiedlichen App-Systeme kompatibel sein sollen, hieß es im Bundesgesundheitsministerium: „So schnell wie möglich.“

Der CDU-Digitalpolitiker Schipanski empfehlt Reisenden und Grenzpendlern, bis zur Entwicklung einer grenzübergreifenden Lösung die nationalen Apps zu nutzen, um so der „Schwachstelle“ entgegenzuwirken.

Das Bundesministerium für Gesundheit teilt auf seiner Seite über die Corona-Warn-App mit, dass man sich aktuell voll auf die Funktionalität der App in Deutschland konzentriere, aber auch schon die Interoperabilität mit anderen Ländern beachte. Durch das Bluetooth-Protokoll sowie den Standard von Google und Apple würde die Möglichkeit geschaffen, entsprechende Roaming-Funktionalitäten anzubinden. Die Entwickler stünden im engen Austausch mit anderen Ländern, wie beispielsweise mit der Schweiz, den Niederlanden oder Frankreich.

Aktuell beschäftigt sich auch eine Arbeitsgruppe beim Europäischen Institut für Telekommunikationsnormen (ETSI) mit der Interoperabilität.

Erst vor wenigen Tagen berichtete die niederländische Nachrichtenseite RTLnieuws von einem EU-Test mit einer grenzüberschreitenden Corona-App, an der sich unter anderem die Niederlande und Deutschland beteiligen wollen. Die über die Landesgrenzen hinweg funktionierende App läuft ähnlich wie die deutsche Corona-Warn-App, jedoch mit einer Reihe weiterer technischer Spezifikationen, um einen sicheren Datenaustausch mit den anderen Ländern zu gewährleisten. In den kommenden Wochen soll der Test starten.

 

Funktionsweise der Corona-Warn-App hier kurz erklärt.

Bei Begegnungen von Nutzern der App tauschen die jeweiligen Smartphones automatisch verschlüsselte Zufallscodes aus. Diese Codes übermitteln jedoch nur, dass sich zwei Menschen begegnet sind, wie lange dies dauerte und wie groß der Abstand war. Sie verraten aber keine Namen oder Standorte. Dies sichert die Geheimhaltung der eigenen Identität. Nach 14 Tagen werden diese Codes vom Smartphone gelöscht. Sollte sich ein Nutzer nachweislich infiziert haben, gibt er diese Information in seine App ein und stellt somit seine eigenen Zufallscodes allen anderen Nutzern zur Verfügung. Die Apps der anderen Nutzer, denen der Infizierte in den letzten 14 Tagen begegnet ist, finden den Code, der damals ausgetauscht wurde, und informieren deren Benutzer über den Kontakt und gibt konkrete Handlungsempfehlungen. Aber auch bei diesem Schritt bleiben die Nutzer jederzeit anonym.

(19.06.2020)

 

Quellen: