In der Grolsch Veste fand der offizielle Kick-off des neuen Interreg-Projekts „Familienunternehmen“ statt. Rund 90 Unternehmerinnen und Unternehmer, Forscherinnen und Forscher sowie Vertreter von Behörden aus Overijssel und dem Münsterland kamen im Stadion des FC Twente zusammen. Familienunternehmen bilden das unverzichtbare Rückgrat der regionalen Wirtschaft, suchen jedoch bei großen Herausforderungen wie Unternehmensnachfolge, Digitalisierung und Energiewende noch zu oft ausschließlich innerhalb der eigenen Landesgrenzen nach Lösungen. Mit einem Budget von 850.000 Euro werden niederländische und deutsche Unternehmen intensiv zusammenarbeiten, um ihre Kontinuität und Zukunftsfähigkeit zu stärken.
Während der Auftaktveranstaltung mit Blick auf das Spielfeld teilten verschiedene Rednerinnen und Redner ihre Vision von grenzüberschreitender Zusammenarbeit und der besonderen Dynamik von Familienunternehmen.
In Gemeinsamkeiten denken
Laut Jisca Veldsink, Geschäftsführerin des Familienunternehmens CF Kunststofprofielen, liegt der Schlüssel im Erkennen gemeinsamer Interessen: „Wir dürfen nicht in Unterschieden zwischen den Niederlanden und Deutschland denken, sondern in Gemeinsamkeiten. Unternehmen auf beiden Seiten der Grenze stehen oft vor exakt denselben Fragen.“
Um diese Fragen gründlich anzugehen, setzt das Projekt auf praxisnahe Forschung. Claudia van Orden, Lektorin für Familienunternehmen an der Fachhochschule Windesheim, erläuterte, wie Studierendenteams durch Interviews mit Mitarbeitenden in beiden Ländern die Engpässe und Herausforderungen ermitteln werden. Dabei geht es um dringende Themen wie Unternehmensnachfolge, Abfallentsorgung und den anhaltenden Fachkräftemangel, vor allem aber um die Frage, wie Unternehmen voneinander lernen können. Das Schöne an dem Konzept ist die Kontinuität: Eine erste Gruppe von Studierenden legt das Fundament, woraufhin im folgenden Studienjahr neue Studierende mit frischen Erkenntnissen den Staffelstab übernehmen.


In die nächste Generation investieren
Dass Familienunternehmen eine besondere Rolle einnehmen, betonte Klaas Korterink, Projektleiter bei der Provinz Overijssel: „Familienunternehmen zeichnen sich durch einen starken Fokus auf die lange Sicht aus. Entscheidungen müssen nicht nur heute funktionieren, sondern auch für zukünftige Generationen gut sein und von der gesamten Familie getragen werden. Das erfordert ein solides Fundament für die Zukunft.“ Die Stärkung dieser Zukunftsfähigkeit in der EUREGIO ist daher das zentrale Ziel dieses Projekts.
Mut und Vertrauen
Christoph Almering, Geschäftsführer der EUREGIO, wies auf die praktische Unterstützung hin, die in der Grenzregion bereits vorhanden ist, wie etwa den GrenzInfoPunkt (GIP) bei Fragen zu grenzüberschreitendem Arbeiten und Steuern. Er unterstrich die Bedeutung des Wissensaustauschs und gab den Anwesenden einen klaren Rat für grenzüberschreitendes Unternehmertum mit auf den Weg: „Habt Mut und habt Vertrauen.“
Nach dem inhaltlichen Programm erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Führung durch das Stadion des FC Twente, bevor die gelungene Veranstaltung mit einem Netzwerk-Get-together abgeschlossen wurde. Damit ist der Startschuss gefallen: Ab jetzt arbeiten Studierende, Intermediäre und Unternehmen in Learning Communities zusammen, um praktische Lösungen für ihre gemeinsamen Herausforderungen zu entwickeln.
Das Projekt „Familienunternehmen“ wird im Rahmen des Interreg-Programms Deutschland-Nederland finanziell von der Europäischen Union sowie den Interreg-Partnern Provinz Overijssel und dem Wirtschaftsministerium NRW unterstützt.