Grenzen verbinden dank des Förderprogramms “Interreg Deutschland-Nederland“

23.5.2024. Um die Zusammenarbeit in der Grenzregion zwischen den Niederlanden und Deutschland zu stimulieren, bietet das Programm Interreg Deutschland-Nederland Fördermöglichkeiten für u.a. regionale und lokale Behörden, öffentliche Einrichtungen, lokale Organisationen, Bürger und andere relevante Organisationen. Innovative und gesellschaftliche Projekte können beim regionalen Programmmanagement (RPM) Interreg eingereicht werden. Das Hauptkriterium ist, dass die Projekte einen eindeutigen grenzüberschreitenden Mehrwert aufweisen. Das bedeutet, dass die Projekte von Partnern auf beiden Seiten der Grenze gemeinsam entwickelt und durchgeführt werden. Dabei muss mindestens ein Partner aus den Niederlanden und ein Partner aus Deutschland beteiligt sein und der Bedarf in der Grenzregion gedeckt werden.

Interreg-Projekte befassen sich mit verschiedenen Herausforderungen, wie dem Abbau von grenzüberschreitenden administrativen Hindernissen, der Zusammenarbeit zwischen Rettungsdiensten, der grenzüberschreitenden Mobilität, der gemeinsamen Gestaltung und Umsetzung der Politik und den Begegnungen zwischen Bürgern zur Stärkung der sozialen Kohäsion.

Das Förderprogramm wurde in den 1990er Jahren ins Leben gerufen und hat bereits Hunderte von grenzüberschreitenden Projekten hervorgebracht. Diese Kooperationen haben zu zahlreichen Erfolgsgeschichten geführt. So wurde beispielsweise ein Bürgerbus zwischen den Grenzstädten Denekamp und Nordhorn in Betrieb genommen, der es den Bewohnern ermöglicht, leichter zwischen den beiden Orten hin und her zu reisen. Die Projektpartner haben in diesem Fall dafür gesorgt, dass die Grenze keine Lücke im öffentlichen Verkehrsnetz verursacht. Des Weiteren wurden innerhalb eines Tourismusprojekts mehrere Fahrradknotenpunkte in den Niederlanden und in Deutschland miteinander verbunden, so dass Bewohner der Grenzregion sowie Touristen problemlos Fahrradtouren über die Grenze unternehmen können. So wurden die niederländische und die deutsche Beschilderung aufeinander abgestimmt. Eine willkommene Bereicherung der Freizeitmöglichkeiten in der Grenzregion!

Auch im kulturellen Bereich zeigte sich, dass ein großer Bedarf an grenzüberschreitender Zusammenarbeit besteht. Ein Kunstprojekt brachte deutsche und niederländische Künstler zusammen, die mit finanzieller Unterstützung neue Theaterstücke, Kunstwerke und Veranstaltungen auf die Beine stellen konnten. Ein schönes Beispiel war das Fußballspiel „kicken“, bei dem zwei Fußballmannschaften aus den Niederlanden und Deutschland das Spielfeld mit Farbe anmalten. Und in einem weiteren Tandem wurde ein zweisprachiges Kinderbuch für Grundschüler entwickelt, in dem die Hauptfiguren gemeinsam die Grenzregion entdecken. Das Buch wurde an mehreren Grundschulen in der Grenzregion vorgelesen und es wurde sogar ein Theaterstück, basierend auf diesem Buch, aufgeführt.

Außerdem werden im Rahmen von Interreg auch aktuelle Probleme behandelt. Seit Jahren kommen Arbeitsmigranten aus ost- und südosteuropäischen Ländern in die Niederlande und nach Deutschland, um dort zu arbeiten. Aufgrund des angespannten Arbeitsmarktes werden zunehmend Leiharbeitsfirmen eingeschaltet, um Personal zu finden, aber auch der angespannte Wohnungsmarkt macht es schwierig, guten Wohnraum für die neuen Arbeitnehmer zu finden. Aus diesem Grund bieten Leiharbeitsfirmen heutzutage oft die Möglichkeit, sich vollständig um die Einstellung und Unterbringung von Arbeitsmigranten zu kümmern. Leider ist dieses System anfällig für Missbrauch. Es kommt vor, dass Leiharbeitsfirmen die Löhne für undurchsichtige Verwaltungskosten kürzen, überhöhte Mieten für Wohnungen mit schlechten hygienischen Bedingungen und ohne Stromanschluss verlangen oder sogar Hunderte von Euro pro Monat für eine Matratze verlangen. Sowohl in den Niederlanden als auch in Nordrhein-Westfalen haben die Regierungen inzwischen Maßnahmen zur Bekämpfung der Ausbeutung von Arbeitsmigranten ergriffen. Dennoch kommt es an der Grenze manchmal noch zu besonderen Situationen, weil Arbeitsmigranten in dem einen Land arbeiten und in einem anderen wohnen. Diese Konstellationen sind schwieriger zu kontrollieren. Deshalb wollen mehrere Partner im laufenden Projekt „Euregionales Netzwerk Arbeitsmigranten“ die zuständigen Behörden und Vollstreckungsbehörden auf beiden Seiten der Grenze zusammenbringen, um das grenzüberschreitende System der Leiharbeitsfirmen besser zu verstehen und gemeinsame Vereinbarungen zur Bekämpfung der Ausbeutung zu treffen.

Die oben beschriebenen deutsch-niederländischen Kooperationen finden sich also in vielfältiger Weise im Interreg- Programmgebiet wieder. Derzeit ist die sechste Förderperiode bereits in vollem Gange und es stehen sogar noch Mittel für neue Projektideen zur Verfügung. Ist Ihr Interesse am Programm Interreg Deutschland-Nederland geweckt und Sie möchten mehr über die Fördermöglichkeiten erfahren? Dann wenden Sie sich an das regionale Programmmanagement (rpm@euregio.eu / Tel: 02562-7020) in Gronau oder informieren Sie sich auf der Programmwebsite. Falls Sie bereits eine Projektidee haben, ist es für uns sehr hilfreich, wenn Sie das Formular „Projektidee“ direkt ausfüllen, damit wir entsprechend auf Ihr Vorhaben reagieren können.