Das Euregionale Netzwerk Arbeitsmigranten zielte darauf ab, die Bekämpfung der Ausbeutung von Arbeitsmigranten in der EUREGIO in einem grenzüberschreitenden Rahmen zu stärken. Bis Juni 2025 war die EUREGIO der federführende Partner dieses Projekts und koordinierte die Projektaktivitäten. Die Gemeinde Enschede, die Gemeinde Oost Gelre und der Kreis Borken waren Partner in diesem Projekt.
Seit Jahren kommen Arbeitsmigranten aus ost- und südosteuropäischen Ländern in die Niederlande und nach Deutschland, um in verschiedenen Sektoren wie der Logistik, dem Gartenbau und der Fleischindustrie zu arbeiten. Aufgrund des Menschenmangels auf dem Arbeitsmarkt ist die Nachfrage nach mehr Arbeitskräften gestiegen, und es wird zunehmend auf Leiharbeitsfirmen zurückgegriffen, um Personal zu finden. Die Knappheit auf dem Wohnungsmarkt macht es außerdem schwierig, angemessenen Wohnraum für neue Mitarbeitende zu organisieren. Leiharbeitsfirmen haben aus dieser Lücke zwischen Angebot und Nachfrage ihren Profit gezogen, indem sie sich vollständig um Vermittlung, Transport und Unterbringung von Arbeitsmigranten kümmern.
Leider ist dieses System missbrauchsanfällig, da die Arbeitsmigranten während ihres Aufenthalts in hohem Maße von diesen Leiharbeitsfirmen abhängig sind. Der Transport von ihrem Heimatland in die Niederlande und nach Deutschland sowie zwischen Unterkunft und Arbeitsplatz während ihres Aufenthalts, die Unterbringung sowie die Verwaltung werden von der Firma übernommen. Diese Situation wird von einigen Firmen in hohem Maße missbraucht.
Entlang der Grenze kommt es zu besonderen Situationen, in denen Arbeitsmigranten regelmäßig von niederländischen Unternehmen beschäftigt werden, während sie jenseits der Grenze in Deutschland untergebracht sind. Solche Konstellationen erschweren es den für die Kontrolle und Überwachung zuständigen Stellen, gegen Ausbeutung vorzugehen. Die günstigeren Immobilienpreise in Deutschland spielen eine Rolle bei der Entscheidung manch niederländischer Leiharbeitsfirmen, Arbeitsmigranten jenseits der Grenze unterzubringen. Gleichzeitig macht das Fehlen einer effizienten Koordinierung zwischen den Behörden es für den Firmen attraktiv, an die Grenze zu gehen.
Im Euregionalen Netzwerk Arbeitsmigranten haben daher Kontrollbehörden beidseits der Grenze zusammengearbeitet, um die jeweiligen Stärken der anderen zu nutzen. So wurden beispielsweise die Ergebnisse von Wohnraumkontrollen in deutschen Grenzkommunen an die Nederlandse Arbeidsinspectie weitergeleitet, Adressdaten mit deutschen Grenzkommunen ausgetauscht und gemeinsame Kontrollen unter Verwendung eines gemeinsam erstellten Fragebogens durchgeführt. Außerdem wurde ein Lagebild zur Unterbringung von Arbeitsmigranten im Kreis Borken erstellt.
Mit dem Projekt wollten die Partner die verschiedenen beteiligten Behörden zusammenbringen, darunter die Kommunen, die niederländische Arbeitsinspektion, das RIEC Oost-Nederland, die Kreispolizeibehörde, den Kreis Borken und die Steuerfahndung, um ein besseres Verständnis des grenzüberschreitenden Systems der Arbeitsvermittlungen zu erlangen und gemeinsame Vereinbarungen zur Bekämpfung der Ausbeutung zu treffen.
Zwischen Juni 2023 und Juni 2025 wurden vier Rundetischtreffen organisiert, bei denen Erkenntnisse ausgetauscht, Vereinbarungen getroffen und Maßnahmen ausgearbeitet wurden. Am Projektende entstand eine Absichtserklärung, womit die Rundtischstruktur bei der EUREGIO untergebracht wurde.

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