Genehmigung für drei neue deutsch-niederländische Projekte

Im Januar dieses Jahres haben verschiedene niederländische und deutsche Behörden im Rahmen des europäischen Förderprogramms Interreg Deutschland-Nederland drei neue grenzüberschreitende Projekte genehmigt.

ORION

Aktuell verursachen schwere Gefäßverstopfungen (CTOs) weltweit über 100.000 Todesfälle und Millionen von Komplikationen pro Jahr. Die derzeitige Behandlung hat viele Nachteile, darunter eine lange Operationsdauer und eine relativ niedrige Erfolgsquote von 48 %. Das Gesundheitsprojekt ORION entwickelt ein neuartiges Robotersystem, das schwere Herz-Gefäßverstopfungen künftig deutlich sicherer und erfolgreicher behandeln soll. Herzstück ist ein kompakter OP-Roboter, der einen flexiblen Mikrokatheter mithilfe von Magnetfeldern entlang eines von Künstlicher Intelligenz berechneten 3D-Pfades führt, der aus CT- und Live-Röntgenbildern entsteht. Präklinische Daten zeigen, dass sich damit die Erfolgsrate der Eingriffe deutlich steigern lässt, die Operationszeit halbiert, die Strahlenbelastung massiv senken lassen und Beschädigungen wie Gefäßperforationen verhindern lassen.

Ein niederländisch-deutsches Konsortium bringt die Technologie innerhalb von drei Jahren auf einen klinikreifen Prototypen und verankert damit ein neues Innovationsökosystem für robotergestützte Gefäßmedizin in der Grenzregion.

SCOBE

SCOBE konzentriert sich auf die Entwicklung nachhaltiger und übertragbarer Lösungen für strukturelle Engpässe in Binnenhäfen im deutsch-niederländischen Grenzgebiet. Das Projekt reagiert auf die Notwendigkeit, rechtliche, organisatorische und logistische Hindernisse, die die grenzüberschreitende Zusammenarbeit behindern, systematisch anzugehen.

Darüber hinaus wächst sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland die Dringlichkeit, Binnenhäfen nachhaltiger zu gestalten und ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern. Dabei spielt die Kreislaufwirtschaft eine Schlüsselrolle. Binnenhäfen stehen vor der Herausforderung, Restströme, Energie und Raum effizienter zu nutzen und den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft zu beschleunigen. SCOBE begleitet diesen Wandel, indem es Initiativen der Kreislaufwirtschaft fördert und diese mit den Binnenhäfen vernetzt. Dadurch entstehen Möglichkeiten für logistische Kooperationen und grenzüberschreitende Geschäftsentwicklungen im Bereich der Kreislaufwirtschaft, insbesondere mit konkreten Verbindungen zwischen dem Hafen Emden, dem Hafen Zwolle und Duisport.

Fiberfact

Die deutsch-niederländische Grenzregion verfügt über eine reiche Textilgeschichte, die von der Heimindustrie im 16. Jahrhundert bis zu den florierenden Textilfabriken im 19. Jahrhundert reicht. Heute ist die Produktion weitgehend in Niedriglohnländer abgewandert, und der Aufstieg von Fast Fashion hat die Textilindustrie zu einem der umweltschädlichsten Sektoren der Welt gemacht. Neue europäische Rechtsvorschriften verpflichten Hersteller zunehmend dazu, einen Mindestanteil an recycelten Materialien zu verwenden. Allerdings fehlt es an einer zuverlässigen Methode, um den Gehalt und die Herkunft von recycelten Fasern in Textilien objektiv zu bestimmen. Das erschwert die Durchsetzung, begünstigt Greenwashing und benachteiligt nachhaltige Akteure, die nicht mit billigen Textilien aus Niedriglohnländern konkurrieren können.

In dem Projekt Fiberfact entwickeln die Projektpartner gemeinsam innovative Analysetechnologien, mit denen sich feststellen lässt, wie viel und welche Art von recyceltem Material in einem Textilprodukt verarbeitet wurde. Verschiedene Technologien aus der Datenanalyse werden in ein Pilotgerät integriert, das 2028 in die Testphase gehen wird.

Finanzierung

Das Projekt ORION verfügt über ein Budget von mehr als 2,7 Millionen Euro, das Projekt SCOBE hat 2,3 Millionen Euro zur Verfügung und in FiberFact werden 4,5 Millionen investiert.

Etwa die Hälfte der Finanzierung stammt aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Der Rest wird teilweise von den Programmpartnern von Interreg Deutschland-Nederland finanziert. Dazu gehören die Behörden: Ministerie van Economischie Zaken, Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klima und Energie NRW und das Niedersächsische Staatskanzlei sowie die Provinzen Overijssel, Gelderland, Drenthe, Friesland und Groningen. Schließlich investieren die Projektpartner einen Eigenbeitrag, um die Finanzierung vollständig zu decken.

Foto: RPM EUREGIO