Interreg stärkt Grenzregion mit fünf neuen deutsch-niederländischen Projekten

Verschiedene niederländische und deutsche Behörden haben im Rahmen des europäischen Förderprogramms Interreg Deutschland-Nederland sechs neue grenzüberschreitende Projekte genehmigt. Mit einer gemeinsamen Investition von über 10,5 Millionen Euro bündeln Bildungseinrichtungen, Unternehmen, Naturschutzorganisationen und Behörden ihre Kräfte, um vielfältige gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen – von nachhaltiger Landwirtschaft und Materialinnovation bis hin zu Naturschutz, Bildung und Kultur – anzugehen.

Die Grenzregion zwischen den Niederlanden und Deutschland zeigt einmal mehr, dass grenzüberschreitende Zusammenarbeit konkrete Lösungen für gemeinsame Fragestellungen liefert. Wo nationale Grenzen die Praxis manchmal behindern, bündeln diese fünf Projekte Fachwissen auf beiden Seiten der Grenze, um die regionale Innovationskraft, Lebensqualität und den Zusammenhalt zu stärken.

Während der Sitzung der Regionalen Steuerungsgruppe in Enschede wurden zwei laufende Projekte vorgestellt: das Agrarprojekt AGIT und das Gesundheitsprojekt BRIDGE. Beide Projekte konnten in den vergangenen Jahren erfolgreiche Ergebnisse erzielen. AGIT konzentriert sich auf Landmaschinen, die mit Wasserstoff aus betriebseigenen CO₂-Quellen angetrieben werden. BRIDGE fokussiert sich auf die gemeinsame Nutzung und den effizienten Einsatz (Resource Pooling) von medizinischen Materialien und Personal zwischen Krankenhäusern im deutsch-niederländischen Grenzgebiet.

Die folgenden Projekte können an den Start gehen:

AgroHeat: Nachhaltige Pilzbekämpfung mit Präzisionswärme

Die Palette der zugelassenen chemischen Pflanzenschutzmittel wird immer kleiner, während Pilzkrankheiten im Freilandanbau (wie Zwiebeln, Schnittlauch und Petersilie) eine große Bedrohung für Ernte und Qualität darstellen. Zudem streben die Niederlande und Deutschland eine Reduzierung des chemischen Pflanzenschutzes an.

Das Projekt AgroHeat entwickelt eine innovative, umweltfreundliche Methode zur physikalischen Pilzbekämpfung ohne Chemie. Durch eine kurzzeitige und präzise Behandlung der Pflanzen mit kontrollierter Wärme, heißem Wassernebel und UV-Licht werden Pilzsporen abgetötet, während die Pflanze unbeschädigt bleibt. Die Grenzregion – mit mehr als 100.000 Hektar Gemüse- und Ackerbauflächen sowie einer stark verflochtenen Kette aus Erzeugern, Verarbeitern und Versteigerungen auf beiden Seiten der Grenze – profitiert direkt davon. Das Projekt bietet dem regionalen Agrarsektor eine nachhaltige Alternative zu chemischen Pflanzenschutzmitteln, sichert die Ertragssicherheit für regionale Landwirte und stärkt die deutsch-niederländische Grenzregion als Vorreiter für Hightech-Agrifood-Innovationen. Niederländisches Wissen in den Bereichen Krankheitsüberwachung und Phytopathologie wird dabei mit deutscher Expertise im Maschinenbau und der Sensortechnik kombiniert. In das Projekt werden 3 Millionen Euro investiert.

Cross Border Classroom (CBC): KI überbrückt Sprachbarrieren in der beruflichen Bildung

Um dem Fachkräftemangel in der Grenzregion entgegenzuwirken, ist ein grenzenloser Austausch von Fachkräften essenziell. Dennoch verlaufen Berufsausbildungen in beiden Ländern oft auf getrennten Pfaden, wobei Sprach- und Kulturbarrieren den internationalen Austausch erschweren.

Das Projekt Cross Border Classroom (CBC) ändert dies, indem es gemeinsamen Unterricht im regulären Lehrplan des niederländischen MBO und des deutschen Berufskollegs realisiert. Auszubildende und Studierende aus den Bereichen Medien, Technik und Agrar/Grün nehmen gemeinsam am digitalen und Präsenzunterricht teil. Dabei werden fortschrittliche KI-Übersetzungstools und mehrsprachige digitale Lernumgebungen getestet, um Sprachbarrieren im Unterricht live zu überwinden. Dieses abgestimmte Bildungsangebot senkt die Hürde für Praktika oder eine Beschäftigung jenseits der Grenze, gibt jungen Menschen die Möglichkeit, euregionale Kompetenzen zu erwerben, und legt das Fundament für einen grenzenlosen 360°-Arbeitsmarkt. Für diese Bildungsinitiative sind gut 540.000 Euro vorgesehen.

PEATConnect NL/DE: Grenzüberschreitende Wiederherstellung einzigartiger Moorgebiete

Die einzigartigen Hochmoorflächen entlang der deutsch-niederländischen Grenze wie das Witte Veen, Haaksbergerveen, Zwillbrocker Venn und Wooldse Veen bilden ein zusammenhängendes ökologisches System. Moorböden sind im Kampf gegen den Klimawandel unverzichtbar: Bei einem gesunden, hohen Wasserstand speichern sie enorme Mengen CO₂ und wirken wie ein natürlicher Schwamm gegen Trockenheit und Überschwemmungen. Austrocknung und Stickstoffbelastung bedrohen jedoch diese natürlichen Klimapuffer, während Renaturierungsmaßnahmen derzeit oft noch getrennt nach Ländern angegangen werden.

Im Rahmen von PEATConnect NL/DE schließen sich niederländische und deutsche Behörden sowie Flächenmanager zusammen. Das Projekt entwickelt gemeinsame Gebietsanalysen („Moorbiografien“), ein harmonisiertes hydrologisches Monitoring und konkrete Aktionspläne für eine ganzheitliche Moor-Renaturierung. Darüber hinaus wird im Witte Veen ein konkretes Renaturierungsprojekt umgesetzt: Die Sanierung eines ehemaligen Campingplatzes, bei der Versiegelungen, Fundamente und Kabel entfernt werden, um das Areal in Hochmoor umzuwandeln und in das „Natuurnetwerk Nederland“ einzugliedern. Mit einem Budget von über 2,8 Millionen Euro stärkt das Projekt die Biodiversität und die Kohlenstoffspeicherung in der Grenzregion.

SPARK-LIFE: Vorhersehbare und nachhaltige Materialinnovationen für die Industrie

In vielen innovativen und energieintensiven Industriezweigen verhalten sich Materialien und Beschichtungen in der Praxis anders als erwartet. Durch dauerhafte Belastung, Reibung oder schwankende Temperaturen verschleißen Bauteile schneller, verlieren ihre Haftung oder setzen unerwünschtes Mikroplastik frei. Dies führt weltweit zu hohen Ausfallkosten, Maschinenstillständen und Verzögerungen bei der Markteinführung nachhaltiger Produkte.

Das Projekt SPARK-LIFE entwickelt eine grenzüberschreitende Methodik für materialgeführtes Design. Niederländisches Expertenwissen in den Bereichen Reibung, Polymere und prädiktive KI-Modellierung wird mit deutschen Kompetenzen in Oberflächentechnologie, Beschichtungen und industrieller Pilotvalidierung verknüpft. Dadurch können Unternehmen bereits in einem frühen Stadium vorhersagen, wie sich Materialien und Beschichtungen unter extremen Bedingungen verhalten. Im medizinischen Sektor werden beispielsweise ultradünne, reibungsarme und silikonfreie Beschichtungen für Katheter und Injektionsnadeln entwickelt. Dies reduziert Gewebeschäden und verhindert, dass schädliche Partikel in den Körper gelangen. Mit einer Investition von fast 3,5 Millionen Euro hilft SPARK-LIFE der regionalen Wirtschaft, schneller zu innovieren und nachhaltigere Entscheidungen zu treffen.

Stories: Kultur und Literatur verbinden Deventer und Osnabrück

Geschichten verbinden Menschen über Grenzen hinweg. Das Projekt Stories schafft eine einzigartige kulturelle Partnerschaft zwischen den Literatur- und Poesiefestivals in Deventer und Osnabrück. Einerseits erhalten bestehende Festivals eine neue deutsch-niederländische Dimension, andererseits wird in Osnabrück ein komplett neues Festival organisiert, das speziell dem internationalen Austausch zwischen beiden Ländern gewidmet ist.

Deutschland und die Niederlande teilen eine reiche literarische Tradition, doch niederländische Leserinnen und Leser kennen selten zeitgenössische deutschsprachige Autorinnen und Autoren – und umgekehrt. Stories macht die beiden historischen Innenstädte zu einer großen Bühne für die deutsch-niederländische Begegnung. Durch niederschwellige Bühnenprogramme, mehrsprachige Auftritte, Young-Adult-Bühnen, Poetry Slams und künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum werden Einwohner, Jugendliche und Besucher aktiv in die Kultur des Nachbarlandes einbezogen. Darüber hinaus fördern die Festivals die Netzwerkbildung und den Austausch zwischen Autorinnen, Künstlern und lokalen Unternehmen aus beiden Städten. Für diesen grenzüberschreitenden Kulturaustausch wurden gut 640.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Über Interreg Deutschland-Nederland

Das Förderprogramm Interreg Deutschland-Nederland fördert die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Partnern in der Grenzregion. Die Projekte werden durch die Europäische Union sowie nationale und regionale Behörden kofinanziert.