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Schutz vor MRSA im Grenzgebiet gestiegen

EurSafety Health-net erzielt Erfolg bei Kampf gegen Krankenhauskeime – Projekt im Europäischen Parlament präsentiert

GRONAU/ENSCHEDE/GRONINGEN, 30. September 2013 – Während in fast ganz Deutschland und auch den Niederlanden Antibiotika-resistente Keime auf dem Vormarsch sind, verbucht das deutsch-niederländische INTERREG-Projekt „EurSafety Health-net“ messbare Erfolge im Kampf gegen die hochgefährlichen Krankheitserreger. Dank einer einheitlichen Bekämpfungsstrategie ist die Zahl der im Krankenhaus erworbenen MRSA-Infektionen (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus) in einem großen Teil des deutschen EUREGIO-Gebietes deutlich gesunken.

Eine im September 2013 von der euregionalen Forschergruppe um Professor Alex W. Friedrich veröffentlichte Studie im internationalen Fachjournal „Eurosurveillance“ zeigt, dass im deutschen Teil der EUREGIO Gronau-Enschede die Zahl der Menschen, die sich im Krankenhaus mit MRSA anstecken, signifikant abgenommen hat, obwohl die Zahl der MRSA-Fälle in anderen Regionen im gleichen Zeitraum insgesamt gestiegen ist. Im Zeitraum 2007 bis 2011 nahm die Zahl der durch Screenings in Krankenhäusern festgestellten MRSA-Fälle im Mittel von 0,87 auf 1,54 pro 1.000 Aufenthaltstage von Patienten zu. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der im Krankenhaus erworbenen MRSA-Infektionen im Mittel von 0,14 auf 0,08 pro 1.000 Patiententage. Damit nähern sich die deutschen Krankenhäuser der Projektregion sichtlich der bekannt niedrigen MRSA-Rate ihrer niederländischen Nachbarn an.

Die sinkende Zahl der im Krankenhaus erworbenen Infektionen führen die Forscher auf verbesserte Maßnahmen zur Krankheitsbekämpfung und -vorbeugung aller im regionalen Versorgungsnetz beteiligten Krankenhäuser zurück. Während im Jahr 2007 in den 40 untersuchten Krankenhäusern im Mittel nur knapp 4,4 Prozent der aufgenommenen Patienten auf MRSA getestet wurden, stieg die sogenannte Screening-Rate, mit der MRSA vorbeugend entdeckt werden können, bis 2011 auf 34,4 Prozent. Mit diesem Wert wurde die von den nationalen Richtlinien geforderte Anzahl an Untersuchungen erreicht. Zeitgleich sind die im Krankenhaus erworbenen MRSA-Infektionen gesunken. Die Forscher bezeichnen dieses Phänomen daher auch das „MRSA-Screening-Paradox“, das beinhaltet, dass man MRSA-Infektionen dann am besten vermeiden kann, wenn man die meisten MRSA-Träger kennt und richtige Maßnahmen für jeden Patienten anwendet.

Die deutschen und niederländischen Partner des Projektes EurSafety Health-net machen sich unter anderem dafür stark, dass Risikopatienten bei der Aufnahme in ein Krankenhaus mit einem Abstrich von Mund- und Nasenschleimhaut auf MRSA getestet werden. Dadurch können andere Patienten vor einer Ansteckung geschützt werden. Zudem werben die Partner für Verbesserungen im Hygienemanagement und die Beschäftigung von ausreichend Hygienefachpersonal. Bislang haben sich 127 deutsche und niederländische Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen im deutsch-niederländischen Grenzgebiet dazu verpflichtet, die hohen Qualitätskriterien von EurSafety Health-net zu erfüllen. 117 Einrichtungen erhielten bereits das erste von EurSafety Health-net verliehene Qualitätssiegel, 39 Häuser der EUREGIO Gronau-Enschede tragen das zweite Siegel und sind auf dem Weg, das dritte Euregionale Qualitäts- und Transparenzsiegel zu erlangen. Im August diesen Jahres wurde sogar an 49 Krankenhäusern der Ems-Dollart Region das erste Siegel vergeben.

Viele Maßnahmen, die von EurSafety Health-net empfohlen werden, sind in niederländischen Krankenhäusern schon seit langem Standard. Mit durchschlagendem Erfolg: In den Niederlanden gibt es jährlich nur 1,8 lebensbedrohliche Blutvergiftungen mit MRSA pro Millionen Einwohner, im Land Nordrhein-Westfalen dagegen 57,6. Eine MRSA-Infektion kann besonders für geschwächte, frisch operierte Personen schlimme Folgen haben. Die betroffenen Patienten leiden an schlecht heilenden, entzündeten Wundinfektionen, einer Lungenentzündung oder einer Blutvergiftung (Sepsis) und können dadurch Gliedmaßen verlieren. Im schlimmsten Fall sind diese Infektionen sogar lebensbedrohlich. Aus den positiven Erfahrungen zur Prävention von MRSA wollen die Projektpartner im EurSafety Health-net in den kommenden Jahren erfolgreiche Konzepte zur Prävention von anderen Krankenhausinfektionen (z.B. ESBL) entwickeln. Diese sind in den vergangenen Jahren auf beiden Seiten der Grenze deutlich angestiegen. Für den Herbst ist ein euregionales Projekt-Symposium zum Thema „ESBL“ in Nijmegen geplant. Hier sollen erstmal die unterschiedlichen nationalen Empfehlungen und Labornachweisverfahren miteinander verglichen und abgestimmt werden. „Anders als bei MRSA gibt es hier noch sehr viel Abstimmungsbedarf und Diskussion auf beiden Seiten der Grenze“, so erläutert Friedrich.

Mit der Einführung einheitlicher Qualitätskriterien hat EurSafety Health-net viel dazu beigetragen, dass Patienten im deutsch-niederländischen Grenzgebiet besser vor gefährlichen Infektionskrankheiten geschützt werden. Die Steigerung der Patientensicherheit auf beiden Seiten der Grenze ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die Patienten die Gesundheitseinrichtungen auf beiden Seiten der Grenze gefahrlos nutzen können. Unterschiede in der Qualität der Versorgung und der Patientensicherheit sind noch stets eine Hürde für die sorglose grenzüberschreitende Versorgung von Patienten. Die Steigerung der Patientenmobilität ist zugleich ein wichtiges Ziel der Europäischen Union. Bei der diesjährigen Auftaktveranstaltung des Tages der Europäischen Zusammenarbeit wurde daher EurSafety Health-net als vorbildliches europäisches Projekt im Europäischen Parlament in Straßburg durch Veröffentlichung eines Informationsfilms präsentiert.

Im Projekt EurSafety Health-Net arbeiten seit 2009 Forschungs- und Gesundheitseinrichtungen im gesamten deutsch-niederländischen Grenzgebiet zusammen, um die Ausbreitung von Infektionskrankheiten einzudämmen. Die Projektleitung hat seit 2011 das Universitair Medisch Centrum Groningen (UMCG) übernommen, die Netzwerkkoordinatoren auf deutscher Seite sind das Landeszentrum für Gesundheit (LZG) NRW und das Universitätsklinikum in Münster sowie das Niedersächsische Landesgesundheitsamt, das Klinikum Oldenburg sowie die Gesundheitsämter in Wesel und Neuss. Partner auf niederländischer Seite sind die Universität Twente, das Canisius Wilhelmina Krankenhaus in Nijmegen und das Labor für Infektionskrankheiten in den Provinzen Groningen und Drenthe. Inzwischen sind über 1.000 Fachleute aus Krankenhäusern, dem Öffentlichen Gesundheitsdienst und den Gesundheitsämtern, Hygiene-Abteilungen sowie mikrobiologischen Laboratorien, Pflegeheimen, Rettungsdiensten, Arztpraxen sowie der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe an dem Netzwerk beteiligt. Das Projekt endet im Dezember 2014.

Das EurSafety Health-net wird im Rahmen des INTERREG IV A-Programms Deutschland-Nederland mit Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE), der Wirtschaftsministerien der Länder Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen und durch die niederländischen Provinzen Gelderland, Overijssel und Limburg finanziell unterstützt. Begleitet wird das Projekt durch das Programmmanagement bei der EUREGIO in Gronau/Enschede.

Die im Fachjournal „Eurosurveillance“ veröffentlichte Studie (A. Jurke et al., 2013: Reduction of the nosocomial meticillin-resistant Staphylococcus aureus incidence density by a region-wide search and follow-strategy in forty German hospitals of the EUREGIO, 2009 to 2011) ist aus der bemerkenswerten Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Öffentlichen Gesundheitsdienst auf beiden Seiten der deutsch-niederländischen Grenze entstanden.

Weitere Informationen sind zu finden unter:
http://eurosurveillance.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=20579
www.eursafety.eu
www.ecday.eu
http://www.euregio.eu/de/project/eursafety-health-net

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