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Potenzialanalyse zur Schienenverbindungen Borken - Achterhoek in der deutsch-niederländischen Bürgermeisterkonferenz diskutiert

Starkes und einheitliches Signal der deutsch-niederländischen Bürgermeisterrunde: Eine grenzüberschreitende Schienenverbindung ist eine wichtige Option für die Zukunft im Grenzraum.

Starkes und einheitliches Signal der deutsch-niederländischen Bürgermeisterrunde: Eine grenzüberschreitende Schienenverbindung ist eine wichtige Option für die Zukunft im Grenzraum.

Kreis Borken. Die Ergebnisse einer „Potenzialanalyse zu grenzüberschreitenden Schienenverbindungen“ standen im Mittelpunkt der diesjährigen deutsch-niederländischen Kon­ferenz der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus der Regio Achterhoek und dem Kreis Borken. Eingeladen hatte dazu Landrat Dr. Kai Zwicker. Ergebnis der Studie war: Mobilitätsfragen werden für das Leben und Arbeiten im EUREGIO-Raum eine immer stärkere Bedeutung bekommen. Wenn die Hürden der Grenze zukünftig weiter abgebaut werden, kann deshalb eine Reaktivierung früherer Bahntrassen denkbar sein. Dazu müssen unbedingt noch bestehende Trassen gesichert werden. Einigkeit bestand unter den Bürgermeistern auch darüber, dass auf der Basis der Trassensicherung eine gemeinsame Perspektive entwickelt werden soll, in die weitere Aspekte, wie z.B. innovative Technik sowie eine nachhaltige Verkehrskonzeption, einfließen müssen.

Die Potenzialanalyse war von der Regio Achterhoek in Auf­trag gegeben worden. Als deutscher Partner des aus Mitteln des EU-Programms INTERREG IV geförderten Projekts wirkte der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr (SPNV) Münsterland mit. Die beauftragte Firma Inno-V aus Amsterdam untersuchte dazu drei alternative Trassenführungen zwischen der Regio Achterhoek und dem Kreis Borken. Dabei kam sie zu dem Ergebnis, dass eine Reaktivierung früherer Trassen der einzig Erfolg versprechende Weg für einen grenzüberschreitenden SPNV sein könnte.

Der Begriff „Reaktivierung“ weist darauf hin, dass in der Grenzregion früher einige Eisenbahnverbindungen existier­ten: Im Jahre 1939 war die Bahnverbindung zwischen Winterswijk und Burlo eingestellt worden. Mit der Bahn konnte bis 1961 von Borken nach Burlo gefahren werden. Bis in die 1970er Jahre hatte es zudem eine Querverbindung von Bocholt über Rhede nach Borken und von dort weiter über Ramsdorf, Velen und Gescher bis nach Coesfeld gegeben. In Coesfeld ging es und geht es auch heute noch weiter mit der sog. Baumbergebahn in Richtung Münster.

Die Berechnungen des Büros Inno-V ergaben, dass eine Re­aktivierung der Strecke Winterswijk – Borken (– Essen) im Zusammenhang mit einer Reaktivierung der Strecke Bocholt – Rhede – Borken – Ramsdorf – Velen – Gescher – Coesfeld (– Münster) das Streckennetz mit dem höchsten Fahrgastpotenzial für einen grenzüberschreitenden SPNV darstellt. Aus der Regio Achterhoek würden so eine Direktverbindung über Borken ins Ruhrgebiet und eine Verbindung nach Münster mit Umstieg in Borken hergestellt.

Dass eine grenzüberschreitende Reaktivierung erfolgreich sein kann, zeigt die Erfahrung im nördlichen Kreisgebiet: Dort wurde die stillgelegte Strecke zwischen Gronau und Enschede 2001 reaktiviert. Die heutigen Fahrgastzahlen be­legen, dass das eine richtige Entscheidung war: Täglich pen­deln rund 2.100 Fahrgäste über die deutsch-niederländische Grenze. Das sind einerseits Grenzpendler, die auf der anderen Seite der Grenze arbeiten oder studieren. Es kamen im Laufe der Jahre aber auch mehr und mehr Tagesausflügler und Tou­risten hinzu.

Die niederländischen Bürgermeister waren sich mit ihren deutschen Amtskollegen und den Vertretern der EUREGIO darüber einig, dass derzeit noch deutliche Grenzhemmnisse bestehen. Untersuchungen zeigen, dass eine Belebung des grenzüberschreitenden Arbeits- und Bildungsmarktes für die gesamte Region große Chancen bietet. Doch für Arbeiten, Schulbesuch und Studium über die Grenze sind entspre­chende Verkehrsinfrastrukturen wie eine Schienenverbindung notwendig. Auch wenn diese nicht „von heute auf morgen“ reaktiviert werden kann, müssen jedoch in jedem Fall die vorhandenen Trassen gesichert werden, um sich zukünftige Optionen im wahrsten Sinne des Wortes nicht zu verbauen.

Michael Geuckler, Geschäftsführer des ZVM, brachte es auf den Punkt: „Wir reden hier nicht über Züge, die in drei Jah­ren wieder rollen. Die zeitliche Dimension kann durchaus 15 bis 20 Jahre umfassen. Gerade wenn die Grenzhürden weiter abnehmen und die Menschen auch im Nachbarland studieren und arbeiten wollen, benötigen wir öffentlichen Personen­nahverkehr. Dann wird auch eine Reaktivierung der Bahn­strecken denkbar.“

Rückfragen zu diesem Pressedienst:

Gerd Eckstein Kreis Borken: 0 28 61 / 82 - 21 10