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Hürden in der grenzüberschreitenden Notfallversorgung abgebaut

EUREGIO und Projektpartner stellen ihre Ergebnisse vor

Quelle: 

Acute Zorg Euregio

GRONAU/ENSCHEDE, 26. März 2014 – Die EUREGIO stellte heute gemeinsam mit ihren Partnern „Acute Zorg Euregio“, dem Universitätsklinikum Münster sowie dem GHOR Twente ihre Vorhaben zur Verbesserung der grenzüberschreitenden Notfallversorgung im Grenzgebiet vor. Mit den INTERREG IV A-Projekten „ECTLI“ (Euregional Cooperation in Trauma and Large-scale Incidents) und „ACRE“ (Acute Health Care Region - EUREGIO) legen die Projektpartner die Grundlagen für eine Vernetzung des deutschen und niederländischen Rettungswesens, sodass Notfallpatienten zukünftig schneller geholfen werden kann.

Zu einem Massenunfall oder einem Großschadensereignis kann es in Sekundenschnelle kommen. Im besten Falle wird dann innerhalb weniger Minuten Rettungshilfe geleistet, zum Beispiel von der Polizei, der Feuerwehr oder der Besatzung eines Rettungswagens. Ein solches Ereignis auf der anderen Seite der Grenze, bei dem Hilfe aus dem Nachbarland notwendig ist, erfordert allerdings zusätzliche Absprachen und Vorbereitungen. „Im Angesicht einer Katastrophe brauchen die Länder einander zur gegenseitigen Unterstützung und Nachbarschaftshilfe. Wir haben diese selbst erfahren, als die deutschen Kollegen uns Niederländern damals bei der Feuerwerkskatastrophe halfen. Dies ist ein gutes Beispiel für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, für die wir dankbar sind”, erklärte Arco Hofland, Bürgermeister der niederländischen Gemeinde Rijssen-Holten.

Anlass zu einer noch intensiveren euregionalen Kooperation gab 2011 der Massen­unfall auf der A31. „Die ersten 60 Minuten nach einem Unfall bezeichnen wir in der Traumatologie auch als ‚Golden Hour‘. Was in dieser Stunde geschieht, hat erheblichen Einfluss auf den weiteren Verlauf des Genesungsprozesses des Patienten. Wenn die Zeit in dieser ersten Stunde gut genutzt wird, sind die Überlebenschancen des Patienten am höchsten“, so Volker Tondorf, Mitarbeiter bei Acute Zorg Euregio. Es seien deshalb auch grenzüberschreitende Katastrophenübungen geplant, die die deutschen und niederländischen Rettungsdienste auf den Ernstfall vorbereiten sollen. Die erste euregionale Übung wird am 1. Oktober 2014 stattfinden. Aber auch die Krankenhäuser rücken näher zusammen. Bas Leerink, Vorstandsvorsitzender des Medisch Spectrum Twente, erklärt: „„Kürzlich hat das Medisch Spectrum Twente, welches dem TraumaNetzwerk NordWest angeschlossen ist, die Re-Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie mit Erfolg durchlaufen. Die Koordinierung dieses Netzwerkes unterliegt dem Universitätsklinikum Münster. Die Unterstützung durch den in Rheine stationierten Rettungshubschrauber sorgt für eine schnelle und professionelle Versorgung des Patienten am Ort des Geschehens.”

Abbau juristischer Hürden
Aber nicht nur eine bessere Abstimmung zwischen den Akteuren auf deutscher und niederländischer Seite ist erforderlich, sondern auch der Abbau juristischer Hürden und die Klärung von Finanzierungsfragen. „Wer haftet für das eingesetzte Personal? Welche Befugnisse hat das Personal jenseits der Grenze? Wer kommt für die Einsatzkosten auf? Gemeinsam mit den zuständigen Behörden und Kostenträgern setzen wir uns mit diesen Fragen auseinander und arbeiten so an einem juristischen Fundament für die grenzüberschreitende Notfallversorgung“, erläutert Cees Schenkeveld, Geschäftsführer von Acute Zorg Euregio. Auch EUREGIO-Geschäftsführerin Dr. Elisabeth Schwenzow freut sich über die Erfolge der Projekte: “In den vorgestellten Projekten werden wichtige Meilensteine für die uneingeschränkte grenzüberschreitende Patientenmobilität gelegt. Dem Ziel eines euregionalen Gesundheitsraums, in dem die Landesgrenze keine Rolle mehr spielt, sind wir somit ein Stück näher gekommen.“

„A-Z Euregio App“ entwickelt
Während der Veranstaltung wurde auch eine mobile Applikation (App) für Smartphones und Tablets vorgestellt. Über die App kann ein deutsch-niederländisches Wörterbuch für medizinische Begriffe sowie eine Übersicht der Krankenhäuser, Fachabteilungen und Notfallaufnahmen im EUREGIO-Gebiet aufgerufen werden. Volker Tondorf hierzu: “Die App wurde in der vergangenen Zeit erheblich erweitert. Jetzt gibt es auch detaillierte Wegbeschreibungen mit Fotos, die zum Beispiel den Eingang der Notfallaufnahmen der Krankenhäuser deutlich markieren. Das war notwendig, denn es ist bereits vorgekommen, dass ein Navigationsgerät einen Rettungswagen auf Grund der eingegebenen Adresse zum Besuchereingang anstatt zur Notaufnahme dirigiert hat.“ Die „A-Z Euregio App“ richtet sich an Mitarbeiter der Rettungsdienste und Leitstellen sowie Pflegekräfte und Ärzte in Krankenhäusern, die im Zuge grenzüberschreitender Rettungsdiensteinsätze mit Patienten aus dem Nachbarland in Kontakt kommen. Inzwischen wurde die App bereits über 2000 Mal heruntergeladen.

Die Projekte „ECTLI“ und „ACRE“ werden im Rahmen des INTERREG IV A-Programms Deutschland-Nederland mit Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert. Sie werden begleitet durch das Programmmanagement bei der EUREGIO.