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Grenzpendler betroffen von Steueränderungen

Experten aus Deutschland und den Niederlanden diskutieren über Fallbeispiele

Quelle: 

Christian van der Meij

NORDHORN, GRONAU, ENSCHEDE, 5. Dezember 2014 – Ab dem 1. Januar 2015 treten zahlreiche Änderungen im deutschen und niederländischen Steuerrecht in Kraft. Rund 70 Steuerexperten aus beiden Ländern trafen sich auf Einladung der EUREGIO am 4. Dezember im Kloster Frenswegen, um über die Auswirkungen für Grenzpendler und Unternehmen zu diskutieren. Thema war auch das voraussichtlich ab 2016 geltende deutsch-niederländische Doppelbesteuerungs­abkommen.

Sowohl das niederländische als auch das deutsche Steuerrecht unterliegen einem ständigen Wandel. Die Veränderungen sind national, aber auch international spürbar. Bei der Tagung wurde deutlich, dass dabei nicht nur die Grenzpendler selbst sondern oftmals auch deren Angehörige betroffen sind. Mitunter bekommen auch Rentner die Änderungen nationaler Steuergesetze zu spüren, wenn sie während ihres Berufslebens im Nachbarland gearbeitet haben. Hier gilt der Grundsatz: Einmal Grenzpendler, immer Grenzpendler. Die Teilnehmer diskutierten mit Vertretern des niederländischen Finanzministeriums und der Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen über zahlreiche Fälle, in denen die besondere Situation von Grenzpendlern zu Schwierigkeiten führt. Ein wichtiges Thema war dabei die Abschaffung der sogenannten „keuzeregeling“ in den Niederlanden.

Ein Beispiel: Arbeitnehmer, die in Deutschland wohnen, aber in den Niederlanden arbeiten, müssen ihre Steuern in den Niederlanden zahlen. Bis Ende dieses Jahres konnte ein in Deutschland wohnhafter Grenzgänger den Vorteil des Hypothekzinsabzugs, also die Absetzung der Zinsen für eine selbstgenutzte Immobilie, oder andere Steuerermäßigungen nutzen. Ab dem 1. Januar 2015 wird dies nur noch eingeschränkt möglich sein. Die wichtigste Vorraussetzung ist, dass mindestens 90 Prozent des Einkommens der niederländischen Besteuerung unterliegen muss. Bei berufstätigen und zusammen veranlagten Ehepaaren, bei denen nur einer der beiden Partner in den Niederlanden arbeitet, kann dies zu großen finanziellen Nachteilen führen.

Während einer der Workshops ausschließlich der Besteuerung von Ehepaaren und Lebensgemeinschaften gewidmet war, drehten sich drei weitere Workshops um die Themen „Besteuerung von Personen mit Mehrfachbeschäftigungen“, „Arbeitnehmerüberlassung“ und „Besteuerung von Rentnern“.

Dass nicht nur aktive, sondern auch ehemalige Grenzpendler betroffen sein können, wurde bei der Erörterung des deutsch-niederländischen Doppelbesteuerungsabkommens deutlich. Besonders niederländischen Rentnern mit Wohnsitz in Deutschland beschert das neue Abkommen teilweise hohe finanzielle Einbußen. Die Regelungen beinhalten unter anderem Klauseln dazu, dass Steuern auf Rentenzahlungen, Sozialleistungen und Leibrenten ab einer Höhe von insgesamt 15.000 Euro zukünftig von dem Land erhoben werden, aus welchem die Zahlungen stammen. Konnten niederländische Pensionäre bislang von dem in Deutschland niedrigeren Einkommensteuertarif – beim Spitzentarif 45 gegenüber 52 Prozent in den Niederlanden – profitieren, haben sie nun deutlich weniger Geld im Monat zur Verfügung. In den Gesprächen wurde jedoch auch deutlich, dass bei der Beurteilung der Einkünfte noch mehr Klarheit geschaffen werden muss.

Sonja Adamsky von der EUREGIO, die die Konferenz organisiert hat, verbucht die Tagung als vollen Erfolg: „Ziel war der Austausch zu den aktuellen Fragen des internationalen Steuerrechts, aber auch das Aufzeigen von Problemen und Handlungsbedarf. Das ist uns heute gelungen. Jetzt geht es darum, mögliche Lösungen und Handlungsoptionen in den Blick zu nehmen.“ Entscheidend sei vor allem die Information der Steuerpflichtigen. Dabei müssen die Veränderungen für die Betroffenen nicht immer von Nachteil sein. Wichtig sei vor allem die jeweiligen Konsequenzen zu kennen.

INTERREG-Förderung
Die Konferenz wurde im Rahmen des INTERREG IV A-Projektes „Bürgerberatung“ finanziert. Das Projekt erhält im Rahmen des INTERREG IV A-Programms ‚Deutschland-Nederland’ Mittel aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE). Für die nationale Kofinanzierung sorgen die Wirtschaftsministerien der Länder Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sowie die niederländischen Provinzen Gelderland und Overijssel.